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Was können wir wissen? Die indogermanische Wurzel des Wortes wissen "uid-" = "sehen" ist im altindischen veda, im altslawischen
vede und im angelsächsischen witan wiederzufinden. Durch das erschlossene Perfekt
dieser Wurzel "uoida" = "ich habe gesehen, ich weiß" liegt es nahe, anzunehmen,
daß Wissen ursprünglich immer die Erfahrung des Einzelnen ausmachte.
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Die gemeinsame Gefühlswelt ist nichts anderes als das "Ich",
das die Menschen als Ergebnis ihrer gesellschaftlichen Erfahrung herausbilden.
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Das Leidenschaftsleben ist eine fortwährende
Übung, Identität und Gesellung der Einbildungskraft zugänglich zu machen:
dem Wandel, der Erfindung, dem Umbruch.
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Grundgefühle lassen sich nach dem Zeitverlauf einteilen: Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft bedeuten Trauer, Freude und Neugier. Die zwei anderen,
Angst und Hoffnung, sind decadence-Formen, die man sich ausreißen sollte;
sie wurzeln nicht in der Seele sondern in einem Ich-losen Gemenge aus Instinkt
und Moralhypertrophie.
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5 |
Der Urstoff der sinnlichen Welt ist das Feld, das heißt
ein Gefüge gedachter Linien, an denen das Sein sich ermöglicht.
Es ist klar, daß die grammatikalische Form der Welt nicht das Real,
sondern das Potential ist.
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Wir haben uns daran gewöhnt, die wirkliche Welt als eine von vielen
möglichen zu betrachten. Dieses Bild muß zurechtgerückt
werden. Alle möglichen Welten liegen innerhalb der wirklichen.
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Ebenso wie Phantasie hilft, sich für künftige Erfahrungen psychisch
vorzubereiten, so unterstützt sie auch dabei, die Residuen vergangener
Erfahrung für den notwendigen Einordnungs- und Amalgamierungsprozeß
zu sortieren. Wir alle reflektieren über die Erlebnisse der unmittelbaren,
aber ebensosehr auch immer wieder über die der entfernteren Vergangenheit.
Im Bewußtsein wiederholen wir ein Erlebnis - d.h.: wir phantasieren es
- um die Befriedigung, die es gewährt noch einmal zu genießen, oder das
Unbehagen, das es verursacht haben mag, zu verringern und zu
überwinden; noch allgemeiner, um es verständlich zu machen,
es in einen sinnvollen Kontext
einzugliedern und in den schon vorhandenen Bestand von Bildern oder
"Ideen" über das eigene Selbst und seine 0bjekte - "die
anderen" - zu integrieren. Das
heißt, wir binden das Erlebte in die Kontinuität des Selbst.
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Wir können wissen, so erleben wir, daß das Wissen Dinge in
einer dem Wissen unzugänglichen Weise verändert.
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Ich glaube, die Ehrfurcht vor der Ungewißheit macht den Unterschied
zwischen einem kreativen Visionär und einem Fanatiker aus.
Ein Fanatiker hält Ausschau nach etwas, das die Ungewißheit
plattwalzt. Der schöpferische Mensch gibt die Ungewißheit zu.
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Unsere Magie ist die wahre göttliche Magie, Kraft welcher wir wie
Moses und Elias, uns persönlich mit Gott unterreden, oder unsere wechselweise
Botschaften durch die im Feuer Gottes gereinigten und wohnenden Geister schicken. Wir
besitzen die zwei Hauptwissenschaften des Jehova: d.i. die Gebährung
und Zerstörung aller natürlichen Dinge. Wir können wie Moses,
Wasser in Blut verwandeln. Wir können wie Josua, ganze
Städte durch den Schall der Instrumente
in Schutt verwandeln. Wir können der Sonne, dem Mond und den Sternen
und den Winden gebieten, wir können wie die Propheten, die Todten erwecken,
wir können die Sterne verwandeln und an verschiedene 0rte setzen.
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Nach der Auffassung des Indianers ist ein »gewöhnlicher Mensch«
einer, der glaubt, daß derartige Erlebnisse Sinnestäuschungen seien. Und
eine »gewöhnliche Hexe« ist ein Mensch, der glaubt,
daß die Tiere im Grunde reden und daß ihr
»Nicht-reden-können« ein bloßer Schein sei. Beide können
zwar, wenn auch auf verschiedene Weise, sehen, aber nicht 'sehen',
und ihre Kontroverse erinnert
an die der Jatmül in Neuguinea, deren Sonnen-Moiety die Meinung vertritt,
die Nacht sei lediglich die Abwesenheit des Sonnenlichts, während
die entgegengesetzte Moiety behauptet, die Nacht sei das »positive«
Phänomen, und der Tag sei nur die
Abwesenheit der Nacht. Wer indessen 'sieht', der erkennt die Wahrheit und
die gleichzeitige Beschränktheit beider Standpunkte: "Du weißt vielleicht, daß 'sehen' nur eintritt,
wenn man sich zwischen die Welten schmuggelt, die Welt der gewöhnlichen Menschen und die Welt
der Hexen."
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Klassifikation ist Bedingung von Erkenntnis, nicht sie selbst,
und Erkenntnis löst die Klassifikation wiederum auf.
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Genügt dem aufgeklärten Bewußtsein nicht die aufgeklärte Sprache? Nein, die nur rationale Sprache genügt nicht. Sie ist zu klein für unsere Bedürfnisse. Sie erklärt, aber sie sättigt nicht.
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Wie im Leben, so im Dichten
Ist das höchste Gut die Gnade -
Wer sie hat, der kann nicht sünd'gen,
Nicht in Versen, noch in Prosa.
Solchen Dichter von der Gnade
Gottes nennen wir Genie:
Unverantwortlicher König
Des Gedankenreiches ist er.
Nur dem Gotte steht er Rede,
Nicht dem Volke In der Kunst,
Wie im Leben, kann das Volk
Töten uns, doch niemals richten.
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Siehe, die Furcht des Herrn, das ist Weisheit, und meiden das Böse,
das ist Einsicht.
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Wahre Mystik ist - im wesentlichen Unterschied zur weltlichen, profanen
Wissenschaft - cognitio experimentalis per amorem. Sie gründet nicht
in der Ich-Es- sondern in der Ich-Du-Beziehung, und zwar in ihrer reinsten,
höchsten, innigsten und vollkommensten Verwirklichung.
Es gibt ein altes, aber darum nicht weniger falsches Sprichwort:
"Liebe macht blind". Wenn schon
nicht das Leben des Alltags, so lehrt uns die wahrhaft übernatürliche
Mystik unzweideutig das Gegenteil: "Liebe macht sehend".
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...etwas über diesen vorintellektuellen, d.h. lebendigen Charakter
des Verstandes selbst zu sagen und der herkömmlichen Auffassung
zu widersprechen, wonach der Mensch sich mit dem Erkennen und Wissen
befaßt, einfach weil er einen Verstand hat. Wenn wir untersuchen,
was dem Wissen und damit der Wissenschaft als
generischer Tatsache zugrunde liegt, und wenn wir die vitale, dem Leben dienende
Funktion entdecken, die das Wissen inspiriert und in Bewegung erhält,
dann stellt sich heraus, daß es nichts anderes ist als eine besondere Form
einer anderen, entscheidenderen und tiefer gründenden
Funktion - der Gaubensgewißheit.
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Wissen ist seinem Wesen nach auch echter Glaube; und diese beiden Bereiche
sind nicht nur nicht voneinander zu trennen, sondern auch nicht voneinander zu
unterscheiden.
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Das Religiöse ist also keineswegs »unnütz«.
Es entmenschlicht die Gewalt, es entzieht
dem Menschen seine Gewalt, um ihn davor zu schützen, es macht aus ihr
jene transzendente und allgegenwärtige Bedrohung, die durch geeignete Riten
wie auch durch bescheidenes und vorsichtiges Benehmen abgewendet werden kann.
Das Religiöse befreit die Menschheit tatsächlich, denn es
entlastet die Menschen von Vermutungen, die sie
vergiften würden, würden sie sich der Krise so erinnern, wie sie
tatsächlich stattgefunden hat.
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Die wahren Erzählungen handeln vom Hunger
und die fiktiven Erzählungen von der Liebe.
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Sich den wirklichen Zustand der Welt vor Augen zu halten,
ist psychisch unerträglich.
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Wie sie voll Eifer in den offnen Abgrund rennen,
Und wie, vom eignen Blute trunken, sie trotz allem
Dem Tod die Qual vorziehen, und dem Nichts die Hölle!
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Es ist, als ob zuerst Tausende, dann Millionen und Abermillionen durch
diese Welt gingen, die Hände und Füße mit unsichtbaren
Fäden aneinandergebunden. Niemand führt.
Niemand steht außerhalb. Einige wollen hierhin, andere dorthin gehen.
Sie fallen übereinander her und bleiben, Sieger oder Besiegte,
aneinander gefesselt. Niemand kann die Bewegung des Ganzen steuern,
es sei denn, ein großer Teil von ihnen wäre imstande,
die weiträumige Figuration, die sie zusammen bilden zu verstehen und
gleichsam von außen zu sehen.
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Die Welt in Worten aus einem Prinzip ableiten wollen, ist die Verhaltensweise
dessen, der die Macht usurpieren möchte, anstatt ihr zu widerstehen.
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Die Macht ist der Parasit eines transsozialen Organismus, der mit der
ganzen Geschichte des Menschen zusammenhängt, nicht nur mit seiner politischen,
historischen Geschichte.
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Überhaupt aber ist es Lug und Trug zu wähnen, daß
starke sittliche Gesinnungen und Inhalte jemals im öfentlich-politischen
Leben sich durchsetzen können; vielmehr sind die sogenannten politischen
Charaktere durchaus ein Gegenpol der sittlichen.
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...(denn für das geistige Leben in unserer Kultur ist es bezeichnend,
daß es eine Form der Zustimmung begünstigt, die keine
wirkliche Überzeugung voraussetzt)...
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Wissend reinigt sich der Leib; mit Wissen versuchend erhöht er sich;
dem Erkennenden heiligen sich alle Triebe; dem Erhöhten wird
die Seele fröhlich. Arzt, hilf dir selber: so hilfst du auch
deinem Kranken noch. Das sei seine beste Hilfe,
daß er den mit Augen sehe, der sich selber heil macht.
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Heute vermag ich zu argumentieren, daß es so etwas wie Unrecht gar
nicht gibt, und wenn es dergleichen gäbe, sei die Rache das schlimmste Unrecht,
und das Übergehen eines Unrechts die beste Rache.
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Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das
durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört;
es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der
eigentlichen materiellen Produktion.
Wie der Wilde mit der Natur ringen muß, um seine Bedürfnisse zu befriedigen,
um sein Leben zu erhalten und zu reproduzieren, so muß es der Zivilisierte,
und er muß es in allen Gesellschaftsformen und unter allen möglichen
Produktionsweisen. Mit seiner Entwicklung erweitert sich dies Reich
der Naturnotwendigkeit, weil die Bedürfnisse; aber zugleich
erweitern sich die Produktivkräfte,
die diese befriedigen. Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehn, daß
der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren
Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche
Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu
werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen
Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehn. Aber es
bleibt dies immer das Reich der Notwendigkeit. Jenseits desselben
beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt,
das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der
Notwendigkeit als seiner Basis aufblühn kann.
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Ich komme sehr vereinzelt vor. Ich habe keine Geduld.
Unser armer Bruder That's-all sagte von der Welt:
sie macht nichts.
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Wer es weiß, sagt es nicht. Wer es sagt, weiß es nicht.
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