Wie sich die Sumerer diese Weltordnung (sumer. me) im einzelnen vorgestellt haben, ist noch unklar; sicher ist aber, daß sie zu ihrer allseitigen Verwirklichung der ewig lebenden Götter bedurfte, und zwar sehr vieler Götter. Die Organisation der vielen Götter entsprach genau der des irdischen sumerischen Staates. An der Spitze stand der dem König entsprechende höchste Gott, der sich in Anbetracht seiner höchsten Verantwortung für das me aber nicht um alle Einzelheiten des Weltregiments kümmern konnte; er wurde daher ebenso wie der König durch die Stadtfürsten durch die Stadtgötter und ihre Familien unterstützt. Aber auch die Stadtgötter konnten ihre Pflichten nicht allein bewältigen, sondern brauchten wie der irdische Fürst einen großen Beamtenstaat, dessen einzelne Glieder nicht nur bestimmte sachliche Aufgaben zu erledigen, sondern auch jeweils eine Familie bzw. Sippe der Menschen besonders zu betreuen hatten. An diese Familienschutzgottheiten mußte sich der einzelne Mensch in seinen Nöten auch immer zuerst wenden; die Stadtgötter oder gar der oberste Gott hatten höhere Aufgaben als die Fürsorge für die kleinen Menschen im Alltag. Bei einer solchen Götterlehre, die die Götter einer unpersönlichen Weltordnung unterworfen dachte, ist es auch nicht verwunderlich, daß die Sumerer allezeit bereit waren, auch fremde Götter als zum Pantheon gehörig anzuerkennen; sie sahen eben in den Göttern der Akkader, Elamier und anderer Völker die für diese Völker zuständigen Stadtgottheiten,  die ebenso im  Dienst der Weltordnung standen wie ihre eigenen Götter.