Ich weiß, daß konkrete Vorschläge (also das berühmte »Positive«) als theoretische Kurzschlüsse belächelt werden. Trotzdem will ich einen solchen Vorschlag machen. Alle Versuche, die Geschlechterspannung gerecht zu formulieren (nicht nur in Worten, sondern im Zusammenleben der Gesellschaft), werden so lange unzureichend sein, wie nicht das Prinzip der Koedukation aus einem bloß passiven in ein aktives umgewandelt wird, und das heißt praktisch zuerst: paritätische Beteiligung der Geschlechter an den obersten Funktionen der Gesellschaft, also Legislative, Exekutive, Justiz. Ich finde, dieser Vorschlag sollte nicht belächelt, sondern ernsthaft diskutiert werden. Ohne seine Verwirklichung wird jede Beteuerung gleicher Chancen, gleichen Rechtsschutzes, gleicher sozialer Stellung (und übrigens auch der Wahrung der »Besonderheiten« der Frau) illusorisch sein. Was einem Rundfunkrat zwecks allseitiger Anpassung und Vermeidung jeglichen Anstoßes gegenüber den akkreditierten Interessenverbänden billig ist, sollte dem Parlament, der Regierung, der Justiz gegenüber den Menschen, diesen zweigeschlechtlichen Wesen, nur recht sein. Auch wenn die Gesellschaft dadurch nicht gleich emanzipiert sein wird, wird sie sich vielleicht nicht emanzipieren lassen, ohne daß sie diesen Schritt erst einmal macht.